Blumenwiesen
Blumenwiesen
Naturnahe Grünflächen in der Stadt Bad Tölz
Die Stadt Bad Tölz hat beschlossen, ihre öffentlichen Grünflächen nach ihrem ökologischen Wert einschätzen und gegebenenfalls „aufwerten“ zu lassen. Seit dem Jahr 2016 werden nun nach und nach die unterschiedlich großen Flächen in Zusammenarbeit mit einer Naturgartenplanerin kartiert und Maßnahmen umgesetzt.
In unserer Voralpenlandschaft werden leider heimische Wildpflanzen immer mehr zurückgedrängt. Dies geschieht aus unterschiedlichen Gründen. Mit dem Konzept, öffentliche Grünflächen naturnah zu gestalten, leistet die Stadt Bad Tölz einen großen Beitrag zur Biodiversität. Sie gesellt sich hier zu zahlreichen anderen Städten und Gemeinden in ganz Deutschland und Nachbarländern, die bereits in diese Richtung gehen.
Monatsjournal - Was tut sich gerade auf den Blühwiesen?
Jeden Monat gibt es Neues zu entdecken. Folgen Sie dem Bericht der Naturgartenplanerin, die dieses Projekt initiiert hat und seit Beginn begleitet:
März / April
Jetzt im März fahren wir sämtliche Blühflächen ab und verschaffen uns einen Überblick über den Zustand der Flächen. Sie werden artgerecht und bei Bedarf nachgearbeitet.
Saumflächen werden teils gemäht. Die Säume bieten mit ihren hohen holzigen Stängeln und Samenständen wichtigen Nistraum und Futter für Insekten und Schmetterlinge. Im Frühling können die Wildstauden geschnitten werden und bilden sich neu aus.
An einigen Stellen im Stadtgebiet bereiten wir neue Flächen zur Einsaat vor.
Bei ein paar Blühflächen werden wir etwas nacharbeiten und zum Beispiel Sträucher pflanzen oder kahle Stellen nachsäen.
Mai
Jetzt im Mai beginnen wir die ersten Wiesenflächen zu mähen.
Da bis Mitte des Monats die Nährstoffe in der Pflanze im Grün zu finden sind, ist dies eine gute Methode, Flächen "abzumagern": Bereits entwickelte Blütenstände werden in kürzester Zeit eine neue Blüte ausbilden und die später blühenden Arten der Wiesen werden so unterstützt. Gleichzeitig werden unerwünschte Gräser zurückgedrängt.
Von den Schülerinnen und Schülern der Marie-Luise-Schultze-Jahnschule bunt bemalte Pfosten schmücken unsere Flächen zusätzlich und markieren leicht zu übersehende Rosen.
Wir freuen uns auf viele bunte Flächen.
Gut zu wissen:
Warum naturnahes Grün?
Öffentliche Grünflächen bieten ein großes Potential, da sie ja (meist) keine Nutzflächen sind. Sie stehen also zur Verfügung, um einen Beitrag an die Natur zurückzugeben, etwa im Ausgleich zu versiegelten Flächen. Eine naturnahe Gestaltung dieser Flächen fördert die heimische Pflanzenwelt, somit auch heimische Insekten, Kleintiere und Vögel.
Auf den Flächen, welche unterschiedliche Voraussetzungen wie Boden und Standort bieten, herrscht eine große Artenvielfalt. Sie sind einerseits wunderschön bunt durch blühende Stauden und Sträucher und sehen durch ihre natürliche Dynamik nie gleich aus. Andererseits entstehen Lebensräume, welche Bienen, Wildbienen, Raupen und anderen Insekten als Nisträume und für Futter zur Verfügung stehen.
Vor allem Spezialisten der Insektenwelt (oftmals Rote Liste-Arten), welche in Abhängigkeit von einer oder zwei bestimmten Pflanzen stehen, werden hier gefördert und in unsere Umgebung zurückgeholt.
Blühwiesen im Stadtgebiet
Hornklee, Nelkenleimkraut, Glockenblumen, Salbei, Wiesenknopf, Wildrosen, Natternkopf, Kornblumen, Bergminze, Kamille, Klappertopf, Wiesen-Bocksbart, Wiesen-Flockenblume, Kuckucks-Lichtnelke – diese Pflanzen fühlen sich in unserer Region besonders wohl und eignen sich für das Anlegen von Blühflächen.
Seit 2016 beschäftigt sich die Stadt Bad Tölz intensiv mit dem Thema „Naturnahes Grün“ und damit auch mit Blühflächen. Mittlerweile befinden sich mehr als 100 Blühflächen im Stadtgebiet. Unter anderem an einer Hauptachse durch die Stadt, an dieser sind sie maximal 500 Meter voneinander entfernt. Diese Flächen wurden teilweise neu angelegt oder aus bestehenden Flächen entwickelt. Unterstützt und beraten wird die Stadt von der Landschaftsgärtnerin Franziska Masur (Naturgärten & Freiräume) aus der Region.
Neuanlage von Blühwiesen
Da eine jede Fläche anders ist, müssen vor der Planung von Blühflächen Faktoren wie Klima, Licht, Boden und Flächennutzung unbedingt berücksichtigt werden. So wird bei einer Neuanlage von Blühwiesen meistens der Oberboden abgetragen, eine Kiesschicht eingebaut und mit einer dünnen Kompostschicht abgedeckt. Diese Schicht muss unbedingt frei von Beikraut sein, um das Wachstum der gewünschten Pflanzen nicht zu stören oder eine ungewünschte Konkurrenz aufzubauen. Erst dann werden wahlweise Stauden, Bäume, Wildrosen, etc. gepflanzt und an die Region angepasstes Saatgut ausgebracht. Das Saatgut wird je nach zu bepflanzender Fläche individuell zusammengestellt. Oft sehen die frisch angelegten Blühflächen karg aus, weil sich vor allem nährstoffarme Untergründe als Standort für Blühmischungen besonders gut eignen. Da manche Pflanzen einjährig und andere mehrjährig sind, ändert sich das Aussehen der Flächen jedes Jahr.
Entwicklung von Flächen
Auch bestehende Grünflächen können durch eine ökologische Pflege aufgewertet und entwickelt werden. Mit einem späten Mähzeitpunkt können an vielen Flächen beispielweise artenreiche Blühwiesen entstehen. Das Mähgut sollte immer beseitigt werden, um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden. Denn im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung sind Nährstoffe und Dünger nicht für alle Pflanzen ideal. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich naturnahe und artenreiche Blumenwiesen entwickeln sollen. Die Blühwiesen in der Stadt sind beschildert und mit Holzpfosten und Seilen geschützt.
Gemeinsam für eine blühende Stadt
Mit einem „Starterpaket“ können sich interessierte Bürger Samentütchen im Rathaus abholen, so dass diese eine eigene Blühfläche – und sei es nur in einem Blumenkasten auf dem Balkon – anlegen können. Diese Tütchen stammen von einem Samenversand, der regional abgestimmte Mischungen vertreibt. Dies ist wichtig, da es nicht nur darum geht, Bienen und anderen Insekten Futter- und Nistplätze zu bieten, sondern die regionale Ökologie im Gleichgewicht zu halten. Daher wäre es sinnvoll, die für die jeweilige Region übliche Zusammensetzung zu unterstützen.
Ein großer Vorteil liegt in der Pflege und dem Unterhalt der Flächen
Diese werden je nach Standort grob in drei Kategorien eingeteilt:
- Artenreiche Fettwiese: wird drei- bis fünfmal im Jahr gemäht, anstatt alle zwei Wochen
- Artenreiche Lagerflächen und Säume: Durch Ansaat und Pflanzung auf Kiesflächen mit ein- und mehrjährigen Stauden in Verbindung mit heimischen Wildrosen und Sträuchern entstehen wunderschöne Flächen mit wechselnden Blühaspekten, die nie gleich bleiben. Gewollt stehengelassene Stängel und Samenstände dienen wiederum als Nistplatz und Futter zum Beispiel für den Distelfink und zahlreiche Raupen von Schmetterlingen zum Überwintern. Sie werden ein- bis zweimal im Jahr gemäht und müssen auch in trockenen Perioden nicht gewässert werden.
- Artenreiche Magerwiesen werden zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht und bieten großen Artenreichtum. Dies reduziert den Pflegeaufwand der Flächen und somit auch die Kosten im Unterhalt enorm.
Magerwiesen - Wann werden Flächen gemäht?
Im Frühjahr 2025 wurde ein Monitoring der Tölzer Blühflächen vorgenommen und an zirka 40 Flächen, die seit 2017 beobachten werden, die Arten bestimmt, die vorkommen und die Pflege dementsprechend angepasst.
Das Ziel der Stadt ist es, auf den zur Verfügung stehenden Flächen im Stadtgebiet möglichst viele artenreiche Standorte zu sammeln. Artenreiche Blühwiesen brauchen regelmäßige Pflege. Zu spätes Mähen fördert das Wachstum der Arten, die auf Dauer wertvolle Kernarten verdrängen.
Die Blüte der Margerite galt früher bei den Bergbauern als Zeichen für die erste Mahd. Nach den langen Wintern war das gewonnene Futter besonders wichtig, weshalb einige Wiesen bereits früh im Jahr gemäht wurden.
Auch heute orientiert sich die Pflege vieler Blumenwiesen an diesen bewährten Erfahrungen. Blumenwiesen sind naturnahe, standortgerechte Pflanzengesellschaften, die nur durch eine regelmäßige und angepasste Pflege dauerhaft artenreich erhalten bleiben. Ein ausgewogenes Verhältnis von Blumen und Gräsern trägt wesentlich zu ihrer ökologischen Vielfalt bei.
Für eine gesunde Entwicklung werden die Wiesen je nach Standort ein- bis dreimal pro Jahr gemäht. Sowohl eine zu seltene Mahd als auch häufiges Mähen oder Düngung können dazu führen, dass die Artenvielfalt zurückgeht. Besonders auf nährstoffreichen und starkwüchsigen Flächen hilft eine frühe Mahd im Mai dabei, überschüssige Nährstoffe zu entziehen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich viele Nährstoffe noch in den oberirdischen Pflanzenteilen und werden durch das Mähen von der Fläche entfernt.
Mit diesem gezielten Pflegekonzept wird im Stadtgebiet bewusst die Entwicklung später blühender Wiesenarten gefördert. Gleichzeitig bleibt durch die abgestimmten Mähzeitpunkte ein langer Blütensommer erhalten. Einige Flächen werden daher zur Zeit der Margeritenblüte gemäht. Die Margerite zeichnet sich dadurch aus, dass sie nach kurzer Zeit erneut blüht. Andere Wiesenpflanzen erhalten dadurch mehr Licht und Raum zur Entwicklung. Zudem ermöglicht diese Pflege einen weiteren späten Schnitt im September und trägt so zu einem vielfältigen und lang anhaltenden Blütenbild bei.
Die Umsetzung
Die Umsetzung dieser Maßnahmen geschieht auf unterschiedlichen Wegen. Hier arbeiten Stadt, Bauamt, Naturgartenplanerin, Bauhof und auch die Isarwinkler Werkstätten (welche die Pflege der Magerflächen übernehmen) eng zusammen.
Seit dem Jahr 2017 wurden bereits an die 100 Flächen im Stadtgebiet umgestaltet oder neu angelegt. Auch weiterhin sollen geeignete Flächen kartiert und im Sinne der Biodiversität umgestaltet werden.
Wie werden die Maßnahmen umgesetzt?
Umgestaltung
In bestehende Flächen wurden Streifen gefräst und brachgelegt und dann mit heimischem gebietsbezogen Saatgut neu eingesät. Zusätzlich wurden in den Zwischenräumen Wildpflanzen als Stauden gepflanzt und Zwiebeln als Frühlingsblüher gesteckt. Dies ist eine sanfte Art der Umgestaltung. Man versucht, mit geringem (Maschinen)Aufwand diese Arten in die Flächen zurückzubringen, was sowohl ökologisch als auch nachhaltig von Wert ist. Die neu eingebrachten Arten breiten sich um zirka ein Meter pro Jahr aus und können sich in Verbindung mit umgestellter Mahd (drei- bis fünfmal pro Jahr und Mahdgut aufnehmen) auf die ganze Fläche verteilen.
Neuanlage
Hier werden neu entstandene Flächen im Stadtgebiet, wie zum Beispiel Verkehrsinseln in der Kohlstattstraße oder Anton-Höfter-Straße, von Anfang an naturnah angelegt. Sie werden zumeist mager, bestenfalls unkrautfrei vorbereitet und dann einmalig bepflanzt und eingesät. Der Rest unterliegt der natürlichen Dynamik, was in der Praxis bedeutet, dass einige Arten bleiben, andere verschwinden.
Je nach Voraussetzung der Fläche werden verschieden Kriterien berücksichtigt:
- Standort
- Kosten der Maßnahme
- Pflege, was ist sinnvoll und möglich
- Anwohnerwünsche
Mit dem Schritt zum naturnahen öffentlichen Grün leistet die Stadt Bad Tölz somit einen großen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt.
Wir laden die Bürger ein, sich an den Blüten und am summenden, brummenden, krabbelnden Leben in diesen Flächen zu erfreuen. Unser Ziel ist es, dass Kinder wieder in der Stadt kleine Blumensträuße pflücken können!
Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung (PDF-Datei)






